Spotify senkt die Wiedergabelautstärke auf -14 LUFS

Als bekannt wurde, dass der Streaminganbieter Spotify die Wiedergabelautstärke auf -14 LUFS (Loudness Units relative to Full Scale – Lautheits-Einheiten relativ zum digitalen Vollpegel) reduziert hat, dachte ich, dass doch noch alles gut werden kann und der sogenannte „Loudness War“ womöglich ein Ende hat. Warum das nicht nur aus Sicht der Musikschaffenden eine feine Sache ist, versuche ich hier in einfach verständlicher Form zu erklären.

Um zu erläutern, was es eigentlich mit dem Begriff „Loudness War“ auf sich hat, muss man zunächst verstehen, was in den letzten Jahrzehnten in der Musikbranche – meistens beim sogenannten „Mastering“ – stattgefunden hat.

Das Mastering ist der finale Schritt in der Musikproduktion. Der fertig gemixte Titel (in der Regel -6 bis -4 dB ausgesteuert) bekommt seinen letzten Schliff durch Klangveredelung und Verdichtung, um eine Lautheit zu erreichen, die nach Möglichkeit die der anderen Produktionen übertrifft. Man tritt so aus der Masse hervor und suggeriert eine scheinbar höhere Qualität. Denn subjektiv wird ein lauteres Musikstück auch als besser empfunden.

In der digitalen Musikproduktion ist die 0-dB Marke die absolute Obergrenze – und Produktionen, die auf dieses Maximum mit Hilfe von Kompressoren und Limitern exzessiv „platt gemacht“ wurden, besitzen in der Regel so gut wie keine Dynamik mehr. Um es anschaulicher zu machen, sind nachfolgend die Wellenformen eines ungemasterten Songs (also der Mix ohne nachfolgender Bearbeitung durch Limiter und Kompressor) oben sowie darunter der gleiche Song als gemasterte Version abgebildet.

Wie man deutlich sehen kann, sind die Pegelspitzen bei der gemasterten Version „abgeschnitten“ worden. Dabei ist dieses Beispiel noch nicht mal so extrem. Musik zu hören, die hochkomprimiert wurde, ist deutlich anstrengender und besitzt wie gesagt fast keine Dynamik mehr.

Gut – aber was heisst es denn nun im Klartext, wenn Spotifiy (und übrigens auch Apple Music, Tidal und Youtube) die Wiedergabelautstärke reduziert? Es bewirkt, einfach ausgedrückt, dass alle Songs, die dem Loudness War gefolgt sind, nun relativ leise abgespielt werden. Wobei hingegen die Stücke, die dynamisch abgemischt wurden, lauter werden. Wäre wünschenswert, wenn sich fortan wieder etwas mehr Dynamik durchsetzt und die Musik in ihrer Ursprungsform zu hören ist.

Wer die Thematik „Loudness War“ genau nachlesen möchte, findet auf folgender Seite einen guten Überblick (engl.):
Dynamic Range Loudness War